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Interview Jacko Wusch

Brrrrrr, so heiß wir Vloggerin und Schmuckdesignerin Jacko Wusch lieben, so eiskalt lief es ihr nach unserer letzten Begegnung den Rücken runter: Denn im Rahmen ihrer „Cold Shower Challenge“ durften wir 2019 mit der Wahl-Berlinerin unter die Dusche hüpfen und dabei aufzeigen, dass kalt duschen nicht nur beim Wasser- und Energiesparen hilft, sondern ganz nebenbei noch ganz schön die Durchblutung ankurbelt (übrigens haben unsere Freunde von Vegan ist Ungesund sich daraufhin ebenfalls an der Challenge probiert). Warum Aktivismus für Jacko wichtiger ist denn je und wofür sich die sympathische Podcasterin einsetzt, lest ihr in unserem Interview.

Steckbrief:


Name: Jacko
Alter: 32 Jahre
Beruf(ung): Entrepreneurin
Wohnort: Berlin


Sternzeichen: Krebs

Wie immer starten wir mit ein paar Warm-Up-Fragen:

Warm- oder Kaltduscherin?

Kaltduscherin

Offline- oder Online-Demo?

Schwer zu sagen. Würde sagen es braucht beides.

Protest-Shirt oder Protest-Schild?

Immer Shirt. Muss man nicht halten

See oder Meer?

See!

Was bedeutet Aktivismus für Dich persönlich?

Ich sag immer so ungern, dass ich „gegen“ etwas bin (obwohl ich natürlich auch immer gegen etwas bin, wenn ich für etwas bin, aber ich bin besser in meiner Arbeit, wenn ich den Fokus auf die Gegenseite lege). Ich sage deshalb gerne, dass ich „für“ etwas bin. Mein ganz persönlicher Aktivismus ist der Glaube und die Hoffnung an eine Welt, die fairer und differenzierter ist. Ich glaube, dass viele Dinge, gegen die wir protestieren, bisher an mangelnder Aufklärung gescheitert sind. Manchmal auf Informationsbasis, aber oft auch auf Emotionsbasis. Ich sehe mich ein bisschen in der Verantwortung die Menschen auf diese emotionalen Reisen mitzunehmen. Wir wissen alle, dass hoher CO2-Verbrauch oder Massentierhaltung scheiße sind (jedenfalls in meiner Bubble). Wir sehen jedoch desinteressiertes Verhalten nicht nur bei Menschen, die man einfach unter „rücksichtslos“ oder schlimmstenfalls „böse“ abstempeln könnte oder möchte. Wir sehen es auch bei unseren Freund*innen, bei unserer Familie, bei Kolleg*innen und am Ende bei uns selbst. Mein persönlicher Aktivismus besteht darin diese emotionalen Prozesse zu verstehen und zu überdenken und Menschen auf diese Reise mitzunehmen. Aktivismus ist ja die Verfolgung eines Ziels durch aktives Handeln. Dies ist meine Art und Weise aktiv zu werden: Verständnis (für die Sache selbst, aber auch für sich selbst) zu schaffen und hier Trotz abzubauen. Ich versuche Menschen dazu zu bewegen etwas „gerne und freiwillig“ und vor allem für sich selbst (!) zu ändern, nicht weil „man das jetzt halt muss“. Das ist natürlich nicht das Allheilmittel. Wir brauchen viele verschiedene Arten von Aktivismus für viele verschiedene Menschen, um eine gute Sache voran zu bringen :)

Wie lebst Du Deinen Aktivismus – Online und Offline – aus?

Ich lebe meinen Aktivismus, in dem ich erstmal meinen eigenen Weg beobachte und meine Gedanken überprüfe. Ich habe mich selbst in der Vergangenheit häufig über das Gendern in der Sprache, Flightshaming oder verbotene Wörter aufgeregt. Oftmals wehre ich mich, wenn ich etwas nicht verstehe und jemand mir eine Einschränkung oder neue Regel auferlegt. Ich will mich in meiner Freiheit nicht einschränken lassen. Und ganz ehrlich? Ich finde, das gehört auch dazu. Niemand ist gerne Opfer von auferlegten Gesetzen. Danach beginnt aber oft ein innerlicher Prozess. Ich informiere mich, ich höre zu, ich lasse das in mir arbeiten. Manchmal (selten) bestätigt sich meine anfängliche Meinung, oftmals (meistens) beginne ich zu verstehen. Durch Empathie und durch Bildung. Das geht soweit, bis ich gerne etwas verändere, weil ich das dann selber will und nicht, weil jemand mir da den Zeigefinger ins Gesicht hält. Diese Prozesse teile ich. Ich teile tolle Inhalte von anderen Aktivist*innen, die ich schlau und catchy finde. Ich teile meine Prozesse oder spreche über Tabuthemen, mit denen ich selbst Erfahrung gemacht habe. Offline vertrete ich bei auftretenden Themen meinen Standpunkt und erläutere, wie ich zu dieser (z.B. neuen) Meinung oder Verhaltensänderung gekommen bin. Und ich erzähle Menschen wie ich Spaß daran gefunden habe. Denn auch Minimalismus oder Veganismus kann eine „egoistische“ Bereicherung, und muss kein auferlegtes Gesetz sein

Findest Du, dass die Menschheit bereits aktivistisch genug ist?

Ich finde, wir sind grad auf einem guten Weg – und dem vertraue ich.

Wer ist Dein größtes aktivistisches Vorbild? Mit wem würdest Du gerne gemeinsam Eis essen gehen?

Ich glaube, man würde sie erstmal als Comedian einstufen, aber ich würde gerne ein Eis mit Sarah Silverman essen. Sie klärt in ihrem Podcast so liebevoll über viele Themen auf, dass ich immer wieder beeindruckt bin und neue Impulse bekomme. Ansonsten würde ich mich für eine Eisplatte für all meine Freund*innen entscheiden, die auf ihre eigene Art und Weise die Welt zu einem besseren Ort machen.

Du bist Podcasterin, Schmuckdesignerin, aktiv auf YouTube und Instagram – was möchtest Du mit Deinen Projekten verändern?

Ich möchte, dass die Menschen sich besser fühlen. Ich glaube daran, dass ein glücklicher Mensch mit mehr Selbstermächtigung die Welt zu einem besseren Ort machen kann (und möchte). Viele von uns hier sind in einer privilegierten Position (in Bezug auf den Lebensstandard), in der man viel Gutes tun und einiges verändern könnte. Wir haben so viel Macht, aber wir spüren sie nicht. Viele von uns sind unglücklich und pressen sich in gesellschaftliche Rollen und Jobs, die sie unglücklich machen. In diesem Kraftakt bleibt oft keine Energie für Aktivismus und Veränderungen übrig. Ich möchte dabei helfen solche Probleme zu lösen, damit wieder Energie für die wichtigen Dinge übrig ist. Es klingt so beschissen spirituell, aber ich glaube halt daran, dass Glück eher aus Liebe entstehen kann und nicht aus Trotz, Ignoranz, Wut oder weil man sich selbst schützen will.

Aufgrund der Pandemie sind Großveranstaltungen und Proteste auf der Straße derzeit nicht oder nur stark eingeschränkt möglich. Was rätst Du Deiner Community, wie sie trotzdem aktiv und laut werden kann?

Jeder kann heutzutage eine eigene Seite (Instagram, YouTube, Twitch, Tiktok) starten und über alles sprechen, was er möchte. Außerdem sage ich immer, dass „Vorleben“ schon Aktivismus in sich trägt. Aufklärung im eigenen Leben ist auch immer super. Was bringt es, wenn wir jedes Meme teilen, aber unserer Oma oder Tante Weihnachten nicht erklären können, weshalb man das N-Wort nicht sagen sollte oder warum wir den Braten nicht mitessen. Das ist natürlich kein Aufruf zum Unruhe stiften an Weihnachten, aber es gibt ja auch gewaltfreie Kommunikation ;)

Unser Thema ist insbesondere der Schutz unserer wertvollen Ressource Wasser. Was bedeutet Wasser für Dich?

Na, wo ihr mich schon nach meinem Sternzeichen gefragt habt (und ich da ja so halb dran glaube ;D): Wasser bedeutet für mich sehr viel. Wenn ich im Wasser bin, bin ich glücklich. Egal wie, wo und wann. Wasser ist Leben. Um zu überleben kommt nach der Atmung direkt Wasser. Und genau deshalb müssen wir mit dieser Ressource noch verantwortungsvoller umgehen als mit vielen anderen Dingen. Abgesehen davon sollte jedes Lebewesen auf der Welt ein Recht auf uneingeschränkten Zugang zu Wasser haben.

Wird Deiner Meinung nach schon genug über Wasserschutz gesprochen?

Nein. Woran ich das merke? Ich weiß selbst noch zu wenig, wenn ich gerade so drüber nachdenke. Und es braucht hier unbedingt Bildung, die ihr ja schon mitbringt. Zum Beispiel mit der Frage, wo wir Wasser am besten schützen können. Früher hätte ich nur an meine Dusche gedacht, aber das Thema ist ja so viel komplexer - wenn wir alleine über den Wasserverbrauch eines T-Shirts oder eines Rindfleisch-Burgers nachdenken.

Welchen Podcast (außer deinen) sollten wir alle kennen und hören?

Ich persönlich höre aktuell gerne den Podcast von Sarah Silverman und „me-time“ von Ines Anioli. Aber es gibt so viele tolle und hörenswerte Podcasts, da weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll.

Welche Frage hätten wir Dir stellen sollen?

Vielleicht für welche Themen ich mich besonders gern einsetze und bei welchen ich oft auf dem Schlauch stehe. Mir fallen zum Beispiel gesellschaftlich emotionale Themen (Feminismus, Rassismus, Veganismus) etwas leichter als Umweltschutz. Einfach nur, weil ich in ersterem besser bin und emotionale Zusammenhänge besser verstehe als zum Beispiel ökologische. Wir sind alle unterschiedlich und haben verschiedene Stärken und Schwächen. Das wird häufig vergessen und von jedem dasselbe erwartet. Aber für diesen Punkt musste ich lange nachdenken. Eure Fragen waren super!

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