It's time for a Fashion Revolution!

Interview mit Heather Knight, Branding and Communications Manager bei Fashion Revolution

Wer steht hinter "Fashion Revolution"?

Um die Branche zu verändern, müssen wir die gesamte Lieferkette vom Landwirt bis zum Verbraucher vereinen. Fashion Revolution bringt alle zusammen, um das zu ermöglichen. Wir sind die Stimme von Millionen, die Veränderung wollen. Wir sind Designer, Produzenten, Arbeiter und Konsumenten. Wir sind Akademiker, Schriftsteller, Geschäftsführer, Marken, Einzelhändler, Gewerkschaften und politische Entscheidungsträger. Wir sind Industrie und Öffentlichkeit, eine Bewegung und eine Community. Wir sind Du! Wir werden von leidenschaftlichen Freiwilligen in über 100 Ländern unterstützt, die die Revolution auf inspirierende und effektive Weise in ihr Land bringen.

 

Was ist euer Ziel und woran glaubt ihr?

Wir wollen eine gerechtere, sauberere, transparentere Modeindustrie, die Menschen, Umwelt, Kreativität und Profit gleich betrachtet. Wir sind eine Pro-Fashion-Bewegung. Wir lieben Mode, aber nicht auf Kosten von Menschen oder Planeten. Unser Motto lautet: „Sei neugierig, finde es heraus, tue etwas“. Wir glauben, dass unsere Fragen, unsere Stimmen, unsere Einkaufsgewohnheiten als Verbraucher dazu beitragen können, die Dinge zum Besseren zu wenden.

 

Warum brauchen wir eine Revolution in der Modebranche?

Die globale Modebranche ist intransparent, ausbeuterisch, umweltschädlich und braucht dringend einen revolutionären Wandel. 75 Millionen Menschen arbeiten in der Modebranche, davon sind 80% Frauen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Viele von ihnen werden ausgebeutet – vom verbalen Missbrauch oder Diskriminierung, der Arbeit unter unsicheren Bedingungen bis hin zu einem sehr geringen Lohn. Tatsächlich leben die meisten Textilmitarbeiter in Armut und können sich die Grundbedürfnisse des Lebens nicht leisten.

Am 24. April 2013 brach das Gebäude Rana Plaza in Bangladesch zusammen. In diesem Gebäude befanden sich fünf Bekleidungsfabriken, die alle Kleidung für große Modemarken herstellten. 1.138 Menschen starben, weitere 2.500 wurden verletzt -  es war die viertgrößte Katastophe der Geschichte der Textilindustrie. Und die Geburtsstunde von Fashion Revolution. Denn wir glauben, genug ist genug. Etwas muss sich ändern.

 

Was habt ihr bisher mit "Fashion Revolution" erreicht? Was hat sich seit der Kampagne "Who made my clothes" geändert?

Wir glauben, dass Transparenz der allererste Schritt zur Umgestaltung der Branche ist. Denn wer die Probleme in ihrer Lieferkette nicht sieht, kann sie sie nicht ändern. Wenn wir nicht wissen, wer unsere Kleidung herstellt, können wir nicht sicher sein, dass sie fair, sauber und sicher hergestellt wurde. Deshalb bringen wir jeden April so viele Leute wie möglich dazu, Marken und Einzelhändler zu fragen: #whomademyclothes. Diese einfache Aktion zeigt den Marken, dass Leute sich für die Menschen hinter ihrer Kleidung interessieren.

Gleichzeitig ermutigen wir auch die Produzenten und Mitarbeiter mit dem Hashtag #imadeyourclothes zu antworten - damit sie aufstehen, gesehen und gefeiert werden können.

Die Fashion Revolution wird immer größer! Im Vergleich zum Vorjahr ist die Reichweite unserer Bewegung um etwa 100% gewachsen. Immer mehr Menschen engagieren sich auf soziale Medien, laden unsere Quellen herunterladen, nehmen an unseren Veranstaltungen teil und organisieren eigene Aktivitäten in ihren lokalen Gemeinden. Im vergangenen April haben sich beinahe zwei Millionen Menschen auf der ganzen Welt an der Fashion Revolution beteiligt. Über 100.000 Menschen nutzten Social Media um sich an #whomademyclothes und #fashionrevolution zu beteiligen. Insgesamt konnten so 533 Millionen Menschen erreicht werden. 66.000 Menschen besuchten im April 2017 die mehr als 1.000 Fashion Revolution Veranstaltungen auf der ganzen Welt.

Dieses Jahr jährt sich der fünfte Jahrestag des Zusammenbruchs der Fabrik Rana Plaza und damit unsere Geburtsstunde. Seitdem sind Tausende von Marken transparenter darüber geworden, wo ihre Kleidung hergestellt wird. Trotzdem liegt noch ein weiter Weg vor uns. Wir wissen immer noch nicht genug über die Auswirkungen unserer Kleidung auf die Menschen und unseren Planeten. Deshalb ist es immer noch so wichtig, #whomademyclothes zu fragen.

Im April diesen Jahres werden wir unsere dritte Ausgabe des Fashion Transparency Index veröffentlichen, der 150 Marken nach dem Umfang ihrer Informationen über ihre Lieferanten ordnet. Die gute Nachricht ist, dass die Transparenz steigt. Aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. 

 

Wie können unsere Leser Teil der "Fashion Revolution" werden?

Am Jahrestag des Rana Plaza findet vom 23. bis 29. April die Fashion Revolution Week statt. Wir laden euch ein, ein Foto von eurem Kleidungsetikett zu machen, die Marke auf Instagram zu markieren und #whomademyclothes zu fragen. Ihr könnt Marken auch direkt eine E-Mail schicken - wir haben ein wirklich einfaches Tool auf unserer Website entwickelt, das euch hilft, mit ihnen in Kontakt zu treten.

Weltweit finden hunderte von Veranstaltungen statt - dieses Jahr wird es größer als je zuvor! Von Kreativ-Workshops bis hin zu Filmvorführungen, Catwalks und Podiumsdiskussionen - ihr könnt Teil der globalen Bewegung werden. Was in eurer Nähe passiert, findet ihr über unsere Website www.fashionrevolution.com heraus.

Während der Fashion Revolution Week werden wir außerdem ein 10-Punkte-Manifest mit einer starken Botschaft vorstellen, das radikale und revolutionäre Veränderungen für die Modebranche fordert. Wir laden euch ein, das Manifest mit eurem Namen zu unterschreiben und unsere Vision für eine bessere Modeindustrie zu teilen. 

Wir wollen die Menschen auch dazu inspirieren, weniger zu kaufen und ihre Kleidung besser zu pflegen. Unsere #haulternative Challenge zeigt, dass ihr keine neuen Kleider braucht, um eure Garderobe aufzufrischen. Wählt zwischen Vintage, Second Hand, Kleidertausch, DIY und mehr! Oder warum nicht gegen Einwegmode Stellung beziehen und sich dazu verpflichten ein Teil mehr als 30 Mal zu tragen? Oder teilt eure Mode-Liebesgeschichte über ein Kleidungsstück, das ihr schätzt und niemals wegwerfen würdet!

 

Was sind die Pläne für "Fashion Revolution" in der Zukunft?

Wir haben in den letzten 5 Jahren viele Veränderungen erlebt, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. Wir werden weiterhin Tools und Veranstaltungen erschaffen, die die Menschen dazu anregen, anders über ihre Kleidung nachzudenken. Wir werden die Fashion Revolution in den Ländern der Welt weiter vorantreiben und mit allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette, vom Landwirt bis zum Verbraucher, zusammenarbeiten, um einen nachhaltigen und grundlegenden Wandel herbeizuführen.  

 

Wer sehnt sich mehr nach einer Veränderung - die Industrie oder die Menschen? Und warum ist das so?

Niemand will Ausbeutung am Leibe tragen. Mode fühlt sich besser an, wenn man weiß, dass die Leute, die sie gemacht haben, fair bezahlt wurden und unter sicheren, anständigen Bedingungen gearbeitet haben. Wir sehen, dass die Nachfrage nach Informationen über die Menschen, die unsere Kleidung herstellen, wächst. Auch die Industrie will sich verändern – dank all jener Menschen, die unsere Kleidung herstellen.

Die Zeit ist reif für eine Fashion Revolution.

 

Was können wir alle täglich dazu beitragen, damit sich etwas ändert?

Manchmal weiß man nicht, wo man anfangen soll. Die Themen rund um die Modebranche sind komplex! Beginnt damit, neugierig zu sein und Fragen zu stellen. Fragt die Marken #whomademyclothes? Deine Stimme hat Macht, also nutze sie! Wenn ihr sprecht, werden die Marken zuhören – ihr Gewinn hängt davon ab! Wir als Verbraucher haben diese enorme Macht, mehr Transparenz einzufordern. Fragt die Marken, ob ihre Mitarbeiter fair entlohnt werden und unter sicheren Bedingungen arbeiten. Schaut Euch die Etiketten und informiert Euch über die Materialien. Pflegt eure Kleidung, damit sie lange hält. Wascht sie niedrigerer Temperatur, repariert sie wenn nötig und recycelt sie, wenn das Ende ihres Lebens erreicht ist. In unserem aktuellen Fanzine LOVED CLOTHES LAST findet ihr viele tolle Tipps.

 

Wie sehr kümmert sich "Fashion Revolution" um die Umweltauswirkungen von Mode, insbesondere um die Auswirkungen von Wasser (z.B. Wasserverschmutzung, etc.)?

Ein großer Teil der Umweltauswirkungen von Mode ist bestimmt von der Art und Weise, wie wir sie pflegen. In unserem aktuellen Fanzine LOVED CLOTHES LAST erforschen wir deshalb, wie ihr eure Kleidung besser pflegen könnt.

Unser drittes Fanzine wird im Juni auf den Markt kommen. Es untersucht die Auswirkungen von Mode auf die Umwelt und beschäftigt sich mit Themen wie Klimawandel, Chemikalien- und Wassernutzung, Biodiversität und Toxizität.

 

Welche Tatsache über die Modebranche macht euch am meisten Angst?

Die weltweite Bekleidungsproduktion hat sich seit 2000 mehr als verdoppelt, im Jahr 2014 wurden 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Und es gibt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Wir kaufen immer mehr und werfen immer schneller Kleidung weg. Im Durchschnitt kauft eine Person heute 60% mehr Kleidungsstücke und hält sie etwa halb so lange wie vor 15 Jahren, etwa 40% der Kleidung werden selten oder nie getragen. Wir müssen unsere Beziehung zur Kleidung überdenken. Wir müssen weniger kaufen, unsere Kleidung mehr lieben und sie haltbar machen.

  

Facts

Fashion und Wasser haben einen komplizierten Beziehungsstatus. Dennoch gibt es laut Fashion Revolution ein paar einfache Möglichkeiten, den persönlichen Wasserfußabdruck zu reduzieren.

Mode ist eine durstige Branche. Es benötigt etwa 2.700 Liter Wasser um ein einziges T-Shirt herzustellen – das ist ungefähr so viel wie wir innerhalb von drei Jahren trinken! Mit diesen Tipps reduziert Ihr ganz einfach Euren Wasserfußabdruck: 

  1. Legt Eure Jeans über Nacht in den Gefrierschrank: die niedrigen Temperaturen töten Bakterien ab, die unsere Kleidung übel riechen lassen. 

  2. Wascht eure Kleidung seltener: meistens kann sie wesentlich häufiger wieder getragen werden.

  3. Kleidung und Textilien sind die größte Quelle für Mikroplastik in den Ozeanen: wählt natürliche statt synthetische Materialien und wascht Synthetik nur dann, wenn es absolut notwendig ist. 

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