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Pride Year Interview

Auch wenn unser Blogartikel zum Thema Pride Months mit Ansprechpartner*innen aus der LGBTQIA+-Community entstand, ist er natürlich nur eine Sichtweise auf die Dinge. Deshalb war es unserem Team von STOP THE WATER WHILE USING ME! ein Anliegen, nicht nur über die Community zu schreiben, sondern auch mit ihr zu sprechen. Zum Beispiel darüber, welchen Beitrag Unternehmen heutzutage leisten können, um die LGBTQIA+-Community ganzjährig zu unterstützen. In unserem Interview haben wir mit unserer ehemaligen Kollegin und langjährigen Wegbegleiterin Jana Bier über Regenbogen-Socken, aktivistische Vorbilder und den CSD gesprochen.

 

Wo steht die LGBTQIA+-Community Deiner Meinung nach heute? Was wurde bereits erreicht und was muss unbedingt noch getan werden?

Puh. Gute Frage, die vermutliche jede*r anders beantworten würde – je nach gesellschaftlichem Umfeld und – ganz banal – Wohnsitz. Ich glaube, in den großen Melting Pots dieser Welt läuft schon sehr viel in die richtige Richtung. Unsere Community erhält die nötige Aufmerksamkeit für wichtige (politische und gesellschaftliche) Themen und aus verschiedensten Ecken Support, wie beispielsweise durch Aufklärung von Marken und Unternehmen wie euch. Leider kann die Toleranz gegenüber jeder Art von Sexualität aber auch schon mit der nächsten jeweiligen (Groß-)Stadtgrenze zu Ende sein. Daher müsste meiner Meinung nach viel früher mit der Aufklärungsarbeit begonnen werden, nämlich genau dort, wo Menschen zum ersten Mal aufeinandertreffen, erste soziale Erfahrungen sammelnoder lernen „was richtig oder falsch ist“. Die Bildungsinstitutionen in unserem Land müssen hier viel mehr in die Verantwortung genommen werden und jedem Kind von Anfang an ein Gesellschaftsbild vermitteln, das nicht aus dem Jahr 1990 stammt. Wenn ein Kind frühzeitig das Gefühl vermittelt bekommt, dass es sein darf wie es ist und damit genauso wertvoll wie all die anderen Kinder ist und wenn Sexualität kein Thema mehr wäre, zu dem sich jemand „outen“ müsste, dann würden wir in solch einer Gesellschaft im Erwachsenenalter wesentlich weniger Leid aufarbeiten müssen. 

 

Warum reicht es Deiner Meinung nach nicht aus, wenn Unternehmen ihr Logo einmal im Jahr bunt einfärben?

Ich finde es befremdlich, wenn unsere Community einmal im Jahr (auf einen Regenbogen reduziert) „gefeiert“ wird. 11 Monate lang ist den meisten Marken und Unternehmen herzlich egal, inwieweit sie einen inklusiven, antisexistischen,feministischen (…die Liste geht weiter) Ort für die LGBTQIA+-Community schaffen, in dem sich jede*r Mitarbeiter*in wohl und sicher fühlt. Und dann kommt der Juni, und zack: Alle sind plötzlich sowas von offen und, äh...bunt!? Clowns sind bunt. Unsere Community repräsentiert Vielfältigkeit, Offenheit, Toleranz, Respekt und vor allem Liebe. Sind das nicht Werte, die sich Unternehmen auf die Fahne schreiben sollten, anstatt ein Logo vier Wochen lang einzufärben? Nur um dann ab dem 1. Juli wieder komplett „Back to Business“ zu gehen und damit zu suggerieren, dass jetzt wieder alles „normal“ läuft.  

Was können Unternehmen tun, um wirkliche Veränderungen zu erwirken?

Wenn Unternehmen nachhaltig etwas für die LGBTQIA+-Community tun wollen, sollte Diversität keine Sommerlaune, sondern eine Basis der eigenen Unternehmenskultur sein. Es gibt ausreichend Möglichkeiten – angefangen beispielsweise bei einer gendergerechten Sprache, durch die sich jede*r angesprochen, gesehen und respektiert fühlt. 

Außerdem ist es wichtig, Mitgliedern der LGBTQIA+-Community ganzjährig eine Plattform zu bieten und nicht nur im Juni die (wenn überhaupt) queeren Influcer*innen zu buchen, damit sie inhaltslose Pride-Artikel vermarkten. Es ist von außen unschwer erkennbar, ob ein Unternehmen wirklich viel Arbeit, Zeit oder auch Geld (beispielsweise in Organisationen) investiert, um die LGBTQIA+-Community dauerhaft zu unterstützen – und wer einfach nur dabei sein und tolerant wirken will.

Welches Engagement würdest Du dir von jedem Einzelnen wünschen?

In den meisten Fällen fängt es schon damit an, zu erkennen, dass es die Diskrimierung einer sexuellen Minderheit in Deutschland auch im Jahr 2021 noch gibt. Das eigene Privileg anzuerkennen als heterosexueller Mensch dieser Diskrimierung nicht ausgesetzt zu sein, und sich dafür einzusetzen, dass es allen Menschen (hach ja, utopisch: auf dieser Welt) so geht, wäre ein wichtiger Schritt jedes Einzelnen. Ich begegne immer wieder Menschen, die sich in keiner Weise vorstellen können, sich für die eigene Sexualität rechtfertigen zu müssen. Oder gar ausgegrenzt zu werden oder Gewalt zu erfahren. Es fehlt an Empathie nachzuvollziehen, wie es sich anfühlen muss die eigene Sexualität zu verstecken, zu verleugnen oder gar aus Angst vor den genannten Punkten nie auszuleben zu können. Sich dieser Tatsache bewusst zu sein und einen kurzen Perspektivwechsel zuzulassen, ist Grundvorraussetzung für einen offenen Dialog, den es in der Gesellschaft immer braucht. 

Wie stehst Du selbst zum CSD? Go or No-Go?

GO. Diversität und Liebe sollten immer Gründe sein, auf die Straße zu gehen, zu demonstrieren und gemeinsam zu feiern. Es ist eine in dieser Gesellschaft immer noch nötige Sichtbarkeit dafür, dass es unendlich viele Menschen gibt, die der LGBTQIA+-Community angehören oder diese unterstützen. Was Marken- oder sogar politische Parteien-Auftritte angeht, gilt allerdings das bereits Angesprochene: Wir benötigen eine tiefgehende, ehrliche Offenheit und Toleranz – kein Rainbow-Washing.

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