Thank you, Mr. and Mrs. Postmen

3,4 Milliarden Pakete im Jahr, 330 Millionen alleine an Weihnachten: die Deutschen sind absolute Europameister im Online-Shopping. Laut „Neo Magazin Royale“ muss ein Paketbote hierzulande bis zu 250 Pakete täglich ausliefern und hat dafür durchschnittlich 3 Minuten je Paket Zeit. Wir möchten uns – speziell in der Weihnachtszeit – die Zeit nehmen und hiermit unseren absoluten Dank und unsere Wertschätzung an die Kolleginnen und Kollegen aussprechen, die diese schier unmögliche Aufgabe tagtäglich bewältigen – Jahr für Jahr für Jahr.  

Und um herauszufinden, wie viel Stress insbesondere die Weihnachtszeit in diesem Beruf hervorruft, haben wir unseren Lieblingspostboten Detlef zu einem Interview getroffen. Detlef ist dreifacher Familienvater, seit 23 Jahren als Kurier tätig und gehört im Grunde seit Anfang an zu unserem Team. Welche Superkraft er gerne hätte, warum Luftballons ihn nervös machen und weshalb unverpackte Torten für ihn das gefährlichste Gefahrengut sind, verrät er uns im Interview.

 

Lieber Detlef, wie lange lieferst Du schon Pakete aus?

Gestartet bin ich als Fahrradkurier im Jahr 1995 – genau einen Sommer lang, bis es kalt wurde. Meinen Job als EDV-Fachmann und Programmierer hatte ich zuvor an den Nagel gehängt. Warum? Weil ich ein bisschen perfektionistisch veranlagt bin und Computerprogramme nun mal nicht perfekt sind. Bei meinem Job als Fahrradkurier konnte ich hingegen nicht nur den Kopf frei kriegen, sondern auch meine Liebe zur Natur ausleben. Ich bin damals gerne auch bis zu 40-50km/h unterwegs gewesen. Die selbstständige Arbeit hat mir Freude bereitet und so habe ich mir im Winter ein Auto angeschafft.

 

Wie erlebst Du die Weihnachtszeit in Deinem Job?

Wenn ich ehrlich bin träume ich manchmal davon, von Anfang Dezember bis Ende Januar einfach wegzufahren und den Schnee, Stau und Stress hinter mir zu lassen. Aber ich muss auch sagen, dass zwar viele Menschen gestresster sind, aber längst nicht unfreundlich. Wer weiß, vielleicht fahre ich ja dieses Jahr spontan weg ;)

 

Was war das skurrilste Erlebnis in Deiner Zeit?

Nach 23 Jahren im Job kann ich sagen: eigentlich ist mittlerweile fast alles normal. Und dann wurde ich diesen Sommer doch selbst überrascht, und zwar von Luftballons. Die sollte ich aufgepumpt im Hochsommer von A nach B transportieren. Durch die Hitze sind mir die Heliumballons im Minutentakt geplatzt und ich habe mich während der Fahrt derart erschrocken als wäre ich im Kugelhagel – oder bei der versteckten Kamera. Immerhin konnte ich ein Dutzend davon noch heile zustellen.

 

 Wo träumst Du dich am liebsten hin, wenn Du im Stau stehst?

Wenn ich so im Stau stehe und es schneit, träume ich mich gerne an den Strand in die Wärme. Vorzugsweise nach Portugal und weniger die Bahamas. Über 25 Grad sind nichts für mich. 

 

Musstest Du schon einmal richtig gefährliches Gefahrengut transportieren?

Das größte „Gefahrengut“, dass ich jemals transportiert habe, war schlecht verpacktes Essen – genauer eine Geburtstagstorte. Leider vertragen sich unverpackte Torten, ein Stapel Pakete und eine Vollbremsung nicht so gut. Am Ende habe ich sie in einer etwas asymmetrischen Form zugestellt. Das machte aber nichts, die Feiergesellschaft war bei der Zustellung schon ein bisschen angetüdelt. Echtes Gefahrengut dürfte ich natürlich als Kurierfahrer nicht transportieren.

 

Was würdest Du Dir von Deinen Kunden wünschen?

Eigentlich machen meine Kunden schon vieles sehr richtig. Ich kann nur immer empfehlen, dass sie beim Verpacken mitdenken sollen – nicht nur bei Torten. 

 

Gibt es etwas, dass Du besonders gerne zustellst?

Ja, Blumen und Steuersachen. Das schöne ist, dass in beiden Fällen die zu beliefernden Personen in 99% der Fälle auch anwesend sind – und häufiger Trinkgeld bekommt (ok, nicht unbedingt bei den Steuersachen).

 

Sei ehrlich – findest Du uns manchmal nervig? ;)

Ganz ehrlich: ihr seid mein kleines Highlight am Abend. Ich habe mir im Laufe der Jahre immer ein paar Kunden gesucht, zu denen ich gerne fahre. Das hält mich am Laufen und macht mir Spaß. 

 

Welcher berühmten Persönlichkeit würdest Du gerne einmal ein Paket zustellen?

Udo Lindenberg. Dem würde ich gerne einmal höchstpersönlich etwas ins Hotel Atlantik zustellen.

 

Welche Superkraft hättest Du gerne?

Ich würde mich sehr gerne beamen können – und zwar nicht nur, weil ich Kurierfahrer bin ;) 

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